| Raus aus dem Elfenbeinturm... |
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Die Unvereinbarkeit von Wissenschaft und Unterhaltung ist kein Naturgesetz
OLDENBURG Vor dem Tresen stehen Dutzende Besucher, hauptsächlich Studenten, für Bier und Brause an. „Ich brauche hier noch eine Thekenkraft!“ ruft die sichtlich überforderte Bedienung ihrem Chef zu. Der Andrang scheint die Veranstalter zu überraschen. Immerhin wird heute in der Oldenburger Szenekneipe „Polyester“ weder Livemusik noch Kleinkunst geboten, sondern Wissenschaft.
Dass die nicht immer langweilig sein muss, wollen fünf junge Forscher heute im Rahmen des „Science Slams“ zeigen. Motto des Abends ist „Raus aus dem Elfenbeinturm!“. Vom Prinzip her ist der „Science Slam“ dem immer populärer werdenden „Poetry Slam“ nachempfunden, der schon einige Male im „Polyester“ stattgefunden hat. Jeder Redner hat zehn Minuten Zeit, um das Publikum von seiner Sache zu überzeugen. Dieses bestimmt als Jury gleichzeitig den Gewinner, indem Papierbögen mit einer Zahl von eins bis zehn hochgehalten werden. Die Vorträge setzen sich hier aber nicht aus Lyrik und Prosa zusammen, sondern sollen große Wissenschaft möglichst belustigend und auch für den Laien verständlich erklären.
Thomas, Gewinner des Slams in Hannover, moderiert den Abend. „Die Unvereinbarkeit von Wissenschaft und Unterhaltung ist kein Naturgesetz!“ lässt er verlauten. Dies gilt es nun zu beweisen. Die Schlange von der Theke hat sich mittlerweile vor der Bühne eingefunden und der erste Kandidat stellt sich dem Publikum. Sein Ziel ist es, den Kreislauf von C02 aus der Sicht einer solchen Verbindung zu erklären. Die Jury ist gütig, ein Mitglied hält ein Blatt mit der Aufschrift „Heirate mich!“ in die schon jetzt immer stickiger werdende Luft. Als nächstes ist Irene dran, die Vogelgesang als „Rumprollen, Rummotzen und Anbrüllen“ entzaubert. Auch sie weiß mit ihrem Vortrag über Rotbauchwürger, eine Art von in Afrika beheimateten Sperlingen, zu überzeugen.
Weitere Redner bieten noch Einblicke in das Liebesleben von Atomen und eine Antwort auf die Frage, warum man sich nie länger als einige hundert Millisekunden konzentrieren kann. Die Zuschauer lassen gelegentlich Kritik hören. „Das war zwar lustig, ich habe aber nicht verstanden, worum es ging!“ wirft eine der Jurorinnen ein. Allgemein wird aber mehr applaudiert und gejohlt als in allen Vorlesungen des letzten Semesters zusammen.
Am Ende der Vorträge haben die Besucher viel gelacht und hoffentlich auch etwas gelernt. Sieger des Abends ist Robin, der mit beachtlicher Redekunst physikalische Vorgänge erläuterte. Als Preis wird ihm dann ein Reisegutschein im Wert von 1.000 Euro und ein „Gehirn im Glas“ überreicht.
Veranstalterin Beate Grünberg ist zufrieden mit der öffentlichen Premiere des „Science Slams“ in Oldenburg. „Wir wollen die For-scher aus der Uni in die Stadt bringen. Das ist sowohl für die Promovierenden als auch für Interessierte ein Gewinn.“. Die erste Auflage hatte noch im Rahmen der letztjährigen „Nacht der Wissenschaft“ im Campus Wechloy stattgefunden.
Finanziert und organisiert wurde der Abend von der Graduiertenschule Naturwissenschaft und Technik, dem Forschungszentrum für Neurosensorik und dem Sonderforschungsbereich Transregio 51 Roseobacter der Universität Oldenburg.
Eine Neuauflage soll es definitiv geben. Für diese sind dann auch junge Akademiker aus den Sprach- und Geisteswissenschaften gefragt.
Ein Text von Lennart Edel ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) |



