| „Man lebt und stirbt dafür“ |
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Der Akademische Seglerverein Aachen im Porträt
„Wer in Aachen studiert und danach keinen Segelschein hat, ist selbst schuld“, meint Andreas Nies, Ausbilder im Akademischen Seglerverein (ASV) Aachen. Denn der ASV Aachen bietet jedem, der möchte, die Möglichkeit, zu äußerst günstigen Bedingungen einen Segelschein zu erwerben und für Vereinsmitglieder ist die Ausbildung kostenlos. Der Jahresbeitrag beträgt lediglich 130 Euro. Dafür verpflichtet sich jedes Vereinsmitglied allerdings auch 40 Arbeitsstunden im Monat zu leisten, meist an den Wochenenden in Kiel oder am Rursee, dem lokalen Segelrevier des ASV.
„Von den technischen Fächern der RWTH gibt es dabei schon mal technischen Support“, berichtet Nies. Vor allen Dingen im Winter, wenn die Boote überholt werden, fällt viel Arbeit an. Dies macht den ASVlern aber wenig aus, „denn man lebt und stirbt dafür“, sagt Nies. Besonders stolz ist man beim ASV auf eine 2005 erworbene Lutra-Vollkarbonyacht, die schon mal auf der Beilage der Zeitschrift des Deutschen Segelvereins abgebildet war. Ebenso gerne verweisen die Aachener Segler auf ihre selbstgebaute Jolle, „das schnellste Boot auf dem Rursee, wenn die Winde dort günstiger wären“. Der Verein ist sowohl auf hoher See mit Yachten, als auch auf einem Binnengewässer, dem Rursee unweit von Aachen, mit einigen Jollen vertreten. „Dort haben wir eine Hütte ohne Strom, ganz romantisch“, erzählt Nies. Segeln lernen auf dem Rursee ist wegen der unstetigen Winde durchaus eine Herausforderung und sehr anspruchsvoll. Ab April beginnt dann die Segelsaison mit verschiedenen Regatten. Zum Beispiel die Regatta der Ecole des Hautes Etudes Commerciales (EDHEC), einer französischen Business School, vor der französischen Atlantikküste in Brest. Im Mai folgt dann die Offshore-Regatta, und natürlich ist der ASV Aachen auch bei der Kieler Woche dabei. Nicht fehlen darf der Aachener Segelclub ebenso bei der Flensburger Fördewoche und der Regatta Danzig-St. Petersburg. Im Durchschnitt ist der ASV bei vier bis fünf Regatten im Jahr dabei. Im nächsten Jahr ist die Teilnahme an einer Offshore-Regatta zwischen Edinburgh und Kiel geplant, denn der 1961 gegründete Verein feiert 2011 immerhin schon sein 50-jähriges Jubiläum. Das jährlich stattfindende Stiftungsfest wird zu dem besonderen Anlass im Krönungssaal des Aachener Rathauses begangen. „Über unsere Leidenschaft für das Segeln hinaus, besitzt das Networking einen hohen Stellenwert“, ist Kim Pulina, Pressesprecher des ASV Aachen, überzeugt. Neben dem Stiftungsfest gibt es im Winter noch das traditionelle Labskausessen, Geselligkeit wird also groß geschrieben. Der ASV war von Studenten gegründet worden, die an der RWTH Bootsbau studierten, ein Fach, das inzwischen nicht mehr angeboten wird. Der Verein hat eine generationenübergreifende Struktur, „denn Mitglied bleibt man bis zum Tod „. So gibt es neben den jüngeren Aktiven noch die „Alten Herren“, die auch einen höheren Mitgliedsbeitrag entrichten. Sie sind inzwischen im Verein in der Überzahl. Bei den Aktiven, die sich in der überwiegenden Mehrzahl aus Studierenden der RWTH rekrutieren, sind nahezu alle Fachrichtungen vertreten: vom Techniker und Ingenieur bis zu Geisteswissenschaftlern und Medizinern. „So bunt wie bei uns ist es an der RWTH nirgends.“ Die jetzigen Mitglieder profitieren vom angesparten Kapital der Vorgänger, was schon mal die Finanzierung eines 20.000 Euro teuren Großsegels erleichtert. „Dennoch freuen wir uns natürlich über Sponsoren“, merkt Pulina an. Mit ihren Hochseeyachten sind die Segler des ASV schon weit rumgekommen. „In der Doppelsaison gab es eine Atlantiküberquerung bis New York und zur Überholung war man Weihnachten und Silvester in der Karibik“, erzählt Christoph Raschke, Kassierer im Vorstand des ASV. „Dort ist Teamfähigkeit auf engstem Raum gefordert. Auf der anderen Seite ist es eine Welt ohne Internet und Handys, das Richtige für gestresste Manager“, glaubt Raschke. Auch der Humor kommt bei den Aachener Seglern nicht zu kurz. Jährlich wird der Blindflansch beim Sommerfest an dasjenige Mitglied verliehen, das sich die peinlichsten Pannen geleistet hat. „Jemand hat zum Beispiel ein anderes Vereinsmitglied versehentlich im Aachener Dom eingeschlossen“, berichtet der stellvertretende Vorsitzende des ASV Aachen Lukas Kellermann. Auch der Seereisenkönig wird beim Sommerfest ausgezeichnet. Hierbei handelt es sich um das Vereinsmitglied, das bei den Hochsee-Segeltouren die meisten Seemeilen zurückgelegt hat. Der diesjährige Seereisenkönig bringt es auf 4653 Seemeilen. Für die Zukunft wünschen sich die ASVler ein Segelrevier, das besser erreichbar ist als der Rursee. Hoffnung darauf besteht aber erst in ferner Zukunft, wenn im nahe gelegenen Tagebau ein Baggersee angelegt werden soll. „Frühestens 2050 ist es so weit“, meinen die Aachener Segler.
TEXT: Gerrit Krull ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ) |





