| Der Weg in die Praxis |
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Die Studentische Unternehmsberatung Via betreut auch Großkunden
Studentische Unternehmensberatungen waren ursprünglich eine französische Idee. Eifrige Studierende wollten mit ihnen schon vor ihrem Abschluss Erfahrungen als Berater sammeln. Ende der 1980er Jahre kam die Idee nach Deutschland. 1992 wurde Via gegründet. Der Kreis ehemaliger Via-Kunden hat einiges zu bieten: RWE, Siemens, das ZDF und Die Bahn. „Wir haben aber auch schon für einen Pferdebauer gearbeitet. Für ihn haben wir ein spezielles Exel-Programm entwickelt“, betont der 1.Vorsitzende von Via Daniel Marr. Der Kundenstamm von Via ist vielfältig, genauso wie die angebotenen Leistungen. Hauptbereiche sind Markt-, Kunden- und Benchmarkanalysen, Recruiting-Lösungen Process-Management. Via vermittelt die Kunden an seine Mitglieder. Die Teilnehmer gründen eine GbR und führen den Auftrag durch. Ein Projektcontroller, der selber nicht Mitglied des Teams ist, kontrolliert die Qualität der Arbeit. Er stellt darüber hinaus sicher, dass die erstellten Dokumente auch von Leuten verstanden werden können, die sich nicht intensiv mit der Materie beschäftigt haben. Bologna-Prozess hinterließ Spuren. Bologna hat Spuren hinterlassen Auch bei Via hinterließ der Bologna-Prozess seine Spuren. „Man merkt deutlich, dass weniger Zeit da ist“, bestätigt Ina Kalkhof, „Das merkt man daran, dass man Studierende nicht mehr solange als Mitglieder halten kann.“ Auch Daniel Marr kennt noch den Vergleich mit den Zeiten vor der Reform: „Vor dem Bachelor haben wir nur Studierende ab dem Hauptstudium aufgenommen. Seit der Umstellung müssen wir die Leute schon ab dem ersten oder zweiten Semester anwerben. Wir hatten früher auch eine höhere Verweildauer – über vier Semester.“ Unter den heranwachsenden Unternehmensberatern befinden sich auch wissenschaftliche Exoten. Zwar sind die meisten Mitglieder Wirtschaftsingenieure, Wirtschaftswissenschaftler, zurzeit etwas rar gewordene Informatiker oder auch Psychologen, doch man kennt auch bei Via die Vorzüge von Geisteswissenschaftlern und Kulturkennern. Ein Beispiel ist die Arbeit mit Kunsthistorikern. „Ein Kunsthistoriker hat einen anderen Ansatz beim Brainstorming. Die Leute sind auch gut, wenn wir etwas gestalten müssen, wie zum Beispiel Flyer.“, so Marr. Der Weg zu Via Via besteht aus fünf Ressorts: Projekt-Akquise, Öffentlichkeitsarbeit, Qualitätsmanagement, Personalorganisation und IT. Jedes Mitglied gehört zu einem der Ressorts. Informationen für Anwärter gibt es auf Informationsabenden. Nach einer erfolgreichen schriftlichen Bewerbung folgt das Assessment-Center. Die Teilnehmer werden dort genau beobachtet. Wie treten sie auf? Sind sie teamfähig? Arbeiten sie strukturiert? Wie lösen sie Aufgaben? „Es gab Leute, die früh gegangen sind. Sie hielten dem Druck nicht stand“, erinnert sich Ina Kalkhof. Die Aufgaben werden natürlich nicht verraten – schon gar nicht an die Presse. Es handelt sich aber um Standard-Aufgaben für Assessment-Center. „Man muss sich vor allem selbst treu bleiben und eben nicht jemand sein wollen, der man gar nicht ist“, sagt Daniel Marr. Doch auch bei der traditionellen schriftlichen Bewerbung traute man bei Via manchmal seinen Augen nicht. „In einer Bewerbung war ein Lichtbild, das aus einem Urlaubsfoto ausgeschnitten wurde. Ich habe auch schon eine Bewerbung aus losen Zetteln bekommen“, so Ina Kalkhof. Auch Motivationsschreiben mit vielen Rechtschreibfehlern sind schon bei Via eingegangen. War der Besuch im Assessment-Center erfolgreich, erfolgt eine drei- bis fünfmonatige Schulung. Hierfür sollten die angehenden Berater etwa acht Stunden Zeit pro Woche aufbringen können. Es gibt Schulungen zu allen beratungsrelevanten Tools – wie etwa der SWOT-Analyse. Dieses Verfahren erfasst die Stärken und Schwächen des Unternehmens sowie die Chancen und Risiken der Umwelt, um strategische Lösungsalternativen für das Erreichen der Ziele des Unternehmens zu finden. Gelernt werden alle Techniken, die man selber an einem Blatt Papier vollziehen kann. Verpflichtend sind auch Rhetorik, der Umgang mit dem Intranet von Via und Finanzrecht. Danach wird es halb ernst – Via spielt Kunde und der Anwärter muss ein Projekt auf die Beine stellen. Das kann beispielsweise die Durchführung einer Schulung oder die Organisation eines Events sein. Möglich ist alles, was auch für externe Kunden geleistet wird – ausgenommen Prozess-Optimierungen. Interessenten sollten die Arbeit bei Via als wertvolle Praxiserfahrung sehen, die obendrein noch vergütet wird.
TEXT: Martin Kowalewski (martin.kowalewski@campolis.de) |





